Autor: Regierungsrat Armin Hartmann, Vizepräsident
Die Schulen bilden eine Schlüsselrolle darin, globale Herausforderungen anzugehen. Wie die abstrakten Ziele zu Klimawandel oder Frieden in den Schulalltag gelangen, erklärt EDK-Vizepräsident Armin Hartmann im Blogbeitrag.
Die Schweiz hat sich in mehreren internationalen Abkommen verpflichtet, globale Herausforderungen wie Klimawandel, Frieden oder Menschenrechte anzugehen. Oft spielt dabei das Bildungssystem eine Schlüsselrolle. Doch wie kommen diese grossen, oft abstrakten Ziele in den Schulalltag – insbesondere im föderal organisierten System der Schweiz?
Ob Nachhaltigkeitsziel der UNO oder die Empfehlung der UNESCO zu Bildung für Frieden, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung – eines haben alle internationalen Vorhaben, welche die Schweiz im Rahmen ihrer Aussenpolitik unterstützt, gemeinsam: Die Vorgaben sind zwar global, die Umsetzung findet aber auf kantonaler Ebene statt. Unter anderem an den Volksschulen. Um solch komplexe Themen in eine vermittelbare Form zu bringen, wurde das weltweite Aktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung – kurz BNE – entwickelt.
Damit die Umsetzung von BNE inmitten von internationalen Abkommen an den Schulen gelingt, braucht es eine Instanz, die zwischen Bund, Kantonen und Schulen vermittelt. Diese Rolle übernimmt die Stiftung «éducation21», das nationale Kompetenzzentrum für BNE. Sie sorgt dafür, dass aus internationalen Zielen praxistaugliche Angebote für Schulen werden. éducation21 übernimmt die Übersetzungsarbeit – von der globalen Vision hin zum lokal passenden Lehrmittel. Das ist eine anspruchsvolle und zentrale Aufgabe. Die Stiftung, deren Stiftungsrat ich präsidiere, entwickelt Unterrichtsmaterialien, organisiert Weiterbildungen, begleitet Schulen bei Projekten und sorgt für Qualitätssicherung.
In der Schweiz wurde das pädagogische Konzept der BNE mittlerweile in allen sprachregionalen Lehrplänen der obligatorischen Schule aufgenommen. Auch auf Sekundarstufe II ist Bildung für nachhaltige Entwicklung inzwischen fester Bestandteil des Lehrplans. Es geht dabei nicht nur um Umweltschutz, sondern um einen breiten Bildungsansatz: Demokratie, globale Zusammenhänge, gerechte Gesellschaften. «BNE bietet Lehrpersonen konkrete Unterstützung – sei es in der Planung, im Unterricht oder bei Projekten mit der Klasse. Es geht darum, Themen wie Nachhaltigkeit verständlich, altersgerecht und lebensnah in den Alltag einzubinden», sagt Martina Krieg, Leiterin der Dienststelle Volksschulbildung DVS in meinem Kanton Luzern. Die DVS ist dafür besorgt, dass die Leitidee BNE im Unterricht verankert wird. Die Angebote von éducation21 mit ihren Unterrichtsideen unterstützen die Schulen dabei.
Für Lernende bedeutet das: Sie erwerben Kompetenzen, um unsere Welt aktiv und verantwortungsbewusst mitzugestalten. Für Lehrpersonen heisst das: Sie erhalten Methoden und Materialien, um solche Themen fachübergreifend und lebensnah zu unterrichten.
Der BNE-Themenkreis wird leicht durch Weltbilder und Werthaltungen beeinflusst. Es ist Aufgabe der Schule, diese Themen neutral und objektiv zu vermitteln. Lernende sind in ihrem kritischen Denken zu fördern, damit sie sich daraus eine eigene Meinung bilden können. Um die Objektivität der Inhalte sicherzustellen, ist privaten Organisationen, aber auch staatlichen Stellen, der direkte Zugang in die Schulen zu verwehren. Es braucht zwingend eine Filterfunktion. Die Stiftung éducation21 wurde auch gegründet, um diese Filterfunktion wahrzunehmen. Friktionen und Diskussionen über Inhalte und die Grundlagen der Vermittlung konnten seither deutlich reduziert werden. Dieses System ist ein Erfolg.
Ein Beispiel: Eine Schule thematisiert Recycling oder «fast or fair fashion». Den Lernenden werden Methoden vermittelt, wie sie Problemlösungsstrategien entwickeln, argumentieren lernen, kooperieren und kritisch reflektieren. Auch Gedankenexperimente mit der Zukunftsmaschine sind beliebte Elemente, mit denen sich Lernende mit der Welt in 20 Jahren auseinandersetzen und so ihre eigene Zukunft gestalten. Die Schule wird im Umfeld ihres sozialen Raums zu einem realen Labor. «Dafür arbeiten wir eng mit dem Schulnetz21 der Stiftung éducation21 zusammen und unterstützen unsere Schulen damit aktiv dabei, BNE umzusetzen. Besonders wichtig ist uns, dass Themen wie Wirtschaft, Mobilität oder Gesundheit fächerübergreifend vermittelt und im Schulleben spürbar werden», sagt Martina Krieg.
Klar ist, internationale Vereinbarungen allein verändern noch keine Schule. Aber durch die Zusammenarbeit von Bund, Kantonen, Schulen und Institutionen wie éducation21 wird aus globaler Verantwortung konkrete Bildung. Die Schweiz zeigt mit ihrem Ansatz, wie grosse Ziele alltagstauglich gemacht werden. Damit diese Arbeit langfristig wirkt, braucht die Stiftung eine gesicherte Finanzierung – durch Bund und Kantone.